Das ist ein kleines Konzeptalbum aus 5 bis 6 Songs, die sich alle um das Leben von Leo Lindemann, meinem Großvater drehen. Ein Leben, das hoffnungsvoll und euphorisch begann, aber in den 1930er Jahren zunehmend bedrohlicher und letztlich auch tödlich wurde, durch die systematische Judenverfolgung der Nazis. Ich habe seine Geschichte aufgearbeitet und meine Gefühle in einer Sammlung aus Songs unter dem Gesamttitel “The LEO Chronicles” und einem Buch über ihn ausgedrückt.
“DuDa”, ein Song aus glücklichen Zeiten, in denen er, etwa Anfang 1929, meine Großmutter kennenlernte, sie kurz danach heiratete und ein Kind mit ihr hatte, meine Mutter.
Das folgende Stück geht über die “HASAG”, in diesem Fall über das Munitionswerk Pelcery (Peltzer) in Czestochowa (Tschenstochau). Die HASAG war ein mächtiger Rüstungsbetrieb im Dritten Reich und Schicksalsort für 10 tausende inhaftierte, meist jüdische, Zwangsarbeiter, von denen viele dort vor Erschöpfung oder durch Vergiftung und Ermordung starben. Mein Großvater Leo war zu Ende des Krieges nach langem Leidensweg über das Ghetto Krakau und dortigen Zwangsarbeitslagern, dem KZ Plaszów unter Amon Göth, letztlich in Czestochowa bis zur Befreiung im Januar 1945 durch die Russen inhaftiert. Das ist harter Tobak…uff…deswegen der Song.
Dieser Song “Edith” ist meiner Großmutter gewidmet. Er reiht sich ein in die Sammlung von Songs in den “Leo Chroniken”. Edith war mit Leo 1929-1935 verheiratet. Sie muss ihn geliebt haben, hatte ein Kind, meine Mutter, mit ihm und ließ sich 1935 zum Zeitpunkt der Nürnberger Rassegesetze von Leo scheiden. Später verleugnete sie auch die Vaterschaft von ihm zu ihrem gemeinsamen Kind und erwirkte dies gerichtlich. Alles wegen der Nazis, sie und das Kind überlebten, Leo nicht. Der Song ist ein wenig untypisch und ganz mit Software Synthesizern entstanden. Als Kind erlebte ich Edith manchmal in der Kirche, wo sie kräftig und mit für mich nicht ganz angenehmer Stimme sang.
“1920s” (die 1920er)
Ein weiterer Song für die “Leo Chroniken”, er steht im Schatten der Tragödie seines Lebens. Der Song beschreibt die 1920er Jahre, die 8 Jahre dauerten, von den Hungerwintern nach dem ersten Weltkrieg bis zur Weltwirtschaftskrise. Aus Fragmenten von tatsächlichen Liedern aus dieser Zeit baut sich ein unheilschwangeres Klanggebilde in Wellen auf. Darauf muss man sich beim Zuhören einlassen, sonst bringt es nichts. Dafür schwingt es als Belohnung lange nach. Realisiert diesmal ausschließlich mit Software für granualare Bearbeitung und extremes Timeshifting.
“Morte et Dabo”
Ein Song über Schmerz und Hoffnung zwischen den Zeiten.